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Linda Dallmann fährt mit Vorfreude zur Europameisterschaft - NRZ vom 11.07.2017

Linda Dallmann (SGS Essen)

Hünxe.   Die Hünxer Fußball-Nationalspielerin Linda Dallmann spielt ab Montag mit dem deutschen Team bei der Europameisterschaft in den Niederlanden.

Bundestrainerin Steffi Jones entließ ihre Schützlinge am vergangenen Freitag wirklich keine Minute zu früh in den letzten „Heimaturlaub“. Vom Abschlusslehrgang in Heidelberg schaffte es Linda Dallmann noch gerade rechtzeitig nach Hünxe, wo abends die Abiturfeier ihrer beiden jüngeren Schwestern, der Zwillinge Jule und Pauline, auf dem Programm stand. Es folgten ein paar ruhigere Tage mit Familie und Freunden, an denen die Fußball-Nationalspielerin ihren Akku noch einmal aufladen konnte, bevor es am Mittwoch von Düsseldorf aus mit dem DFB-Tross in Richtung Niederlande geht, wo die deutsche Elf am kommenden Montag mit dem Gruppenspiel gegen Schweden in die Europameisterschaft startet. „Für mich geht damit ein Traum in Erfüllung“, freut sich die Hünxerin schon riesig auf das Turnier im Nachbarland.

Es gab Zeiten, da hatte Linda Dallmann das Thema A-Nationalmannschaft für sich schon weitestgehend abgehakt. Trotz ihrer jungen 22 Jahre hat die U 20-Weltmeisterin von 2014 nämlich schon einige starke Bundesliga-Spielzeiten mit der SGS Essen hinter sich. Viele Experten sahen sie längst auf dem Weg in den A-Kader – nur die Nominierung blieb einfach aus. Was sich dann mit dem Amtsantritt von Stephanie Ann Jones im vergangenen Spätsommer schlagartig ändern sollte. Am 16. September 2016 debütierte die Offensivspielerin aus dem „Golddorf“ in einer Partie der EM-Qualifikation in Russland, die 4:0 gewonnen wurde. Vier Tage später folgte ein weiterer Einsatz beim 1:0-Sieg in Ungarn.

Damals mag die Hünxerin auch davon profitiert haben, dass einige Akteurinnen nach Gold bei den Olympischen Spielen geschont wurden und andere Stammspielerinnen verletzt nicht eingesetzt werden konnten, aber Dallmann hatte ihre Chance ganz offensichtlich genutzt. Im März bei einem hochkarätig besetzten Turnier in den USA war sie wieder dabei und einen guten Monat später erzielte sie im Freundschaftsspiel gegen Kanada sogar den 2:1-Siegtreffer für Deutschland. Nach ihrer Einwechslung hatte die meist ausgesprochen fröhliche Blondine das Spiel der DFB-Elf merklich belebt und ihre gute Form auch an den letzten Bundesliga-Spieltagen untermauert.
Gewissheit am 30. Juni

Die anschließende Nominierung für den vorläufigen EM-Kader war dennoch keine Selbstverständlichkeit. „Ich hatte schon ein relativ gutes Gefühl, aber fest davon ausgehen konnte ich natürlich nicht“, erzählt die frühere Jugendspielerin des STV Hünxe und des PSV Lackhausen, wo sie lange noch gemeinsam mit dem männlichen Nachwuchs kickte. Am 30. Juni hatte die Hünxerin schließlich Gewissheit: nach den ersten beiden Vorbereitungslehrgängen berief Jones sie in den 23-köpfigen endgültigen Kader für die Europameisterschaft. Was sie in dem Moment gefühlt habe? „Das lässt sich nicht so leicht beschreiben. Eigentlich verspürt man da einfach nur Freude“, sagt Dallmann.

Sollte die Bundestrainerin auch nur den geringsten Zweifel an der Richtigkeit ihrer Entscheidung gehabt haben, dann fegte die 125-fache Bundesligaspielerin, die seit der Saison 2011/12 in Essen spielt und in der Saison zuvor ihr Debüt im Oberhaus für Bayer Leverkusen gab, diese spätestens mit ihrem Auftritt im abschließenden Test gegen Brasilien weg. Dallmann zeigte nicht nur wegen ihres Treffers zum 1:0 und dem Assist zum 3:1-Endstand eine sehr gute Leistung und wurde erst in den letzten Minuten, als alles entschieden war, vom Feld genommen.

Dass sie von den Nutzern der DFB-Homepage anschließend zur Spielerin des Spiels gewählt wurde, lächelt die überzeugte Teamplayerin mit der ihr eigenen Bescheidenheit weg. Natürlich habe sie sich gefreut, aber „ich weiß, dass sich auch die eine oder andere Mitspielerin fleißig an der Abstimmung beteiligt hat“, schmunzelt die Kreativspielerin, die den überzeugenden Mannschaftsauftritt gegen Brasilien ebenso wenig überbewerten will: „Das war schließlich auch nicht die erste Elf von Brasilien. Aber es war definitiv ein guter Test für uns, denn der Gegner stand sehr tief, und das kann uns bei der EM natürlich auch gegen den einen oder anderen Gegner erwarten.“
Viel Spaß gemacht

Die Vorfreude ist groß im deutschen Team, die Erwartungshaltung auch. „Wir haben für uns als Team beschlossen, auch nach außen zu tragen, dass wir den Titel gewinnen wollen“, stellt die Hünxerin klar. In den letzten Wochen habe die Mannschaft schließlich auch sehr gut zusammengefunden. „Es hat einfach viel Spaß gemacht“, findet die Sportstudentin, die für gewöhnlich an der Ruhr-Universität in Bochum ihre Seminare besucht.

Die Pause nach dem Ende der Bundesliga-Saison hatte die fitnessbegeisterte Kickerin zwar nicht nur auf der Couch oder am Strand verbracht, sondern sich auch weiter in Form gehalten, doch die ersten Vorbereitungslehrgänge „haben trotzdem ganz schön geschlaucht. Man musste sich auch erst einmal wieder an die fußballerische Belastung gewöhnen. Außerdem hatten wir phasenweise auch richtig Hitze mit über 30 Grad“, erzählt Dallmann.
Topfit ins Turnier

Jetzt, wo es richtig los geht, fühlt sich die Hünxerin aber topfit und bereit für das Turnier. Und mit Schweden wartet am Montag direkt ein richtig großes Kaliber auf die deutsche Mannschaft: „Wir haben richtig Bock drauf und sind guter Dinge, auch wenn wir eher eine Mannschaft mit weniger Erfahrung haben“, sagt die 22-Jährige, die selbst gerade einmal fünf Länderspiele für die A-Nationalmannschaft absolviert hat. Ihre bisherige Bilanz: vier Siege und ein Unentschieden. Wenn das keine Empfehlung für weitere Einsätze ist . . .

Von Timo Kiwitz

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