„Ich glaube, dass uns das Ganze noch bis weit in die nächste Saison verfolgen wird.“ - Interview mit SGS-Torhüterin Kim Sindermann

Da der Spiel- und Trainingsbetrieb in der FLYERALARM Frauen-Bundesliga weiterhin ruht, habe ich mir die Zeit genommen, um mich mit der SGS-Torfrau Kim Sindermann zu treffen und mit ihr über die aktuelle Situation im Fußball zu reden. Kim hatte sich im Rahmen des Mannschaftstrainings Anfang März 2019 das vordere Kreuzband gerissen.

Kay: Hallo Kim, was für eine ungewohnte Situation? Wie bist Du mit den zahlreichen Hygiene-Vorschriften und Verboten bisher in deinem Alltag zurechtgekommen?

Kim: Ich bin tatsächlich bis jetzt gut damit zu Recht gekommen, da ich eigentlich nur Zuhause bin. Wenn ich draußen joggen, spazieren oder Rad fahren bin, achte ich darauf, dass ich genügend Abstand habe, dass klappt gut. Ansonsten läuft mein Studium digital, also bin ich kaum im direkten Kontakt zu anderen. Beim Einkaufen zieh ich mir einfach einen selbst gebastelten Mundschutz über, um meine Mitmenschen und mich zu schützen.

Kay: Wir haben Ende April, es wären noch drei Spieltage bis zum Saisonende in der Meisterschaft, doch seit Mitte März steht der Fußball still. Wie gestaltest du momentan deinen Tag bzw. die Woche?

Kim: Das Wichtigste ist, dass man fit und aktiv bleib. Da ich aus einer Verletzung komme, habe ich gelernt, wie wichtig präventives Arbeiten ist. Es wäre dumm, bei einer Wiederaufnahme des Trainings- und/oder Spielbetriebes sich aufgrund mangelnder Fitness zu verletzten.
Wir haben von dem Trainer einen Laufplan erhalten, zusätzlich mache ich noch Kraft- und Techniktraining. Netterweise ist ja die ganze Zeit über gutes Wetter und ich habe einen großen Garten, also fällt mir bis jetzt die Decke noch nicht zu doll auf den Kopf.
Abseits vom Training nehme ich mir auch einfach mal ein Buch und setzte mich damit in die Sonne. Ich meine, wann sonst hat man denn mal so viel Zeit? Ich denke man sollte diese Zeit, die man eh hat und wo man nichts dran ändern kann, bestmöglich nutzen und genießen.

Kay: Wie sieht ein individueller Trainingsplan für Torfrauen aus? Muss eine Torhüterin genauso viele Laufeinheiten absolvieren wie Feldspielerinnen?

Kim: Ja, ich laufe genau so viel wie die Feldspielerinnen in der aktuellen Zeit. Aber jede von uns hat individuelle Pulswerte, nach welchen wir uns bei unseren Laufeinheiten richten. Das bedeutet, dass es gut sein kann, dass eine Feldspielerin in der gleichen Zeit mehr läuft als ich.
Ansonsten schau ich als Torfrau, dass ich „am Ball bleibe“. Es gibt Übungen, die man alleine oder mit Geschwistern Zuhause machen kann, um nicht ganz aus der Übung zu kommen.

Kay: Stichwort Training; Fußballplätze u.a. sind gesperrt, wie kompensierst du das direkte Torwarttraining im "Gehäuse" mit Ball?

Kim: Wie bereits gesagt, habe ich zum Glück einen großen Garten. Dort kann ich mit der Hilfe meines Bruders viele Übungen machen. Ansonsten schaue ich, dass ich auch viele koordinative Übungen mache. Dafür braucht man nicht viel Platz oder Material, aber sie helfen, wenn es wieder auf den Platz geht.

Kay: Wie könnte/sollte deiner Meinung nach die Meisterschaft und der DFB Pokal der Frauen zu Ende gebracht werden? Saisonabbruch, "Geisterspiele", oder sollte die Saison über das eigentliche Ende hinausgehen?

Kim: Um ganz ehrlich zu sein, sehe ich es momentan noch nicht, dass die Saison zu Ende gespielt wird, auch wenn ich mir es wünschen würde. „Geisterspiele“ wären da wohl, wenn überhaupt, die einzige Möglichkeit für, aber es wäre auch nicht das gleiche. Es wäre nicht das Gleiche z.B. ein Pokalfinale vor leeren Rängen zu spielen.
Ich glaube, dass uns das Ganze noch bis weit in die nächste Saison verfolgen wird. Aber bei allen Überlegungen, wie eine Fortsetzung von Liga und Pokal aussehen könnte, sollten wir nicht vergessen, dass die Gesundheit von uns allen an oberster Stelle steht.

Vielen Dank für das nette Gespräch und bleib gesund.
#StayHome & #BleibGesund

© Kay Schuler/SGS Essen

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Last update: 20.02.2020 - 21:42