U16-Trainerin Grumpe: „Die SGS ist mein Herzensverein“

Wera Grumpe ist in der zweiten Saison Trainerin der SGS-U16. Davor hat sie bereits die Essener U13 und U15 trainiert. Außerdem hatte sie einen großen Anteil beim Aufbau der U11. Im Interview spricht sie über ihre besondere Beziehung zur SGS, die Unterschiede zwischen Verein und Verband und darüber, was in den Köpfen ihrer Spielerinnen los ist.

Wera, du bist seit über zehn Jahren bei der SGS. Schon bemerkenswert in einem so schnelllebigen Bereich wie dem Fußball so lange Zeit bei einem Verein zu sein, findest du nicht auch?
Generell verändert sich im Fußball schnell mal etwas. Aber bei der SGS ist das anders. Hier geht es sehr familiär zu, das unterscheidet uns von anderen Vereinen. Viele Trainer*innen sind jetzt schon länger hier. Ich selbst habe ja früher auch mal bei der SGS gespielt. Zwischendurch war ich für zwei Jahre weg, weil ich in Freiburg studiert habe. Wenn ich in den Ferien hier war, dann habe ich meine Schwester immer beim Training unterstützt. Zurück in Essen habe ich hier sofort als Trainerin weitergemacht. Die SGS ist einfach mein Herzensverein.

Seit letztem Jahr arbeitest du beim Fußballverband Niederrhein. War dir die Vereinsarbeit dann doch zu eintönig?
Nein, ich habe nach meinem Lehramtsstudium gemerkt, dass ich eigentlich doch lieber in den Sportbereich gehen würde. Es war schon immer mein Traum, vom Fußball leben zu können. Ich erinnere mich noch gut daran, als ich dreizehn war und meine Mutter mich von der Verbandsauswahl abgeholt hat: Da habe ich ihr gesagt, dass ich da später auch mal arbeiten möchte. Jetzt konnte ich mir also meinen Traum erfüllen.

Welche Aufgaben hast du beim Verband?
Ich bin zuständig für den Schulfußball im Bereich der Jugend. Meine Hauptaufgabe ist die Koordination des JUNIOR-COACH-Projekt des DFB. Da geht es darum, dass in den Schulen junge Trainer*innen ausgebildet werden. Ansonsten kümmere ich mich um alles was mit Schule und Kita zu tun hat, zum Beispiel um Fußballfeste in den Schulen oder Fortbildungen für Lehrer*innen und Erzieher*innen.

Und was macht dir jetzt mehr Spaß – die Arbeit im Verein oder die beim Verband?
Schwer zu sagen, ich finde beide Seiten toll. Beim Verband habe ich zum Beispiel gemeinsam mit der Kommission Schule und Kita den FVN Homekick entwickelt, ein Fußballabzeichen für zu Hause. Da geht es um Übungen für Kinder, die sie zuhause, in der Kita oder in der Schule machen können. Auch eine Lehrer*innenfortbildung konnte ich schon leiten. Das hat mir beides sehr viel Spaß gemacht.
Die Vereinsarbeit hingegen ist etwas ganz anderes. Da begleite ich die Mädels intensiv bei ihrer Entwicklung. Es ist schön, ein Teil davon zu sein und sie zu unterstützen. Am Saisonende zu sehen, was sie alles gelernt haben - sowohl persönlich als auch fußballerisch - ist etwas ganz Besonderes.

Wie hält sich deine Mannschaft aktuell fit?
Wir haben dreimal die Woche digitales Mannschaftstraining im athletischen und technischen Bereich. Insgesamt versuchen wir das Trainingsprogramm individuell auf die Mädels anzupassen. Das heißt wir arbeiten mit den Trainingsmöglichkeiten, die sie bei sich zuhause haben.
Im Winter war es beispielsweise sehr schwer, dass alle laufen gehen, weil es so früh dunkel wurde. Wenn der Schulunterricht zum Teil bis 17 Uhr geht, können wir von einem 15-jährigen Mädchen nicht verlangen, dass sie danach noch im Stockdunkeln laufen geht. Wir sind als Trainer*innen in einem engen Austausch mit allen Spielerinnen und unterstützen sie beim Eigentraining so gut wir können.

Deine Mannschaft besteht aus den Jahrgängen 2005 und 2006 – also Mädchen, die mitten in der Pubertät stecken. Was beschäftigt die gerade am meisten?
Aktuell haben sie sehr viel Stress durch die Schule, weil der Digitalunterricht nicht immer gut funktioniert. Für viele ist die Belastung noch größer als bei normalem Präsenzunterricht.
Außerdem geht es für sie jetzt in die „heiße Phase“ vor dem Abschluss. Meine Spielerinnen sind sehr leistungsorientiert und ehrgeizig. Bei den meisten von ihnen dreht sich fast alles um Fußball, aber natürlich auch um ihre Freunde und Familie.

Was macht ihr, um die Spielerinnen in dieser stressigen Phase zu unterstützten?
Uns ist es wichtig, für ein bisschen Abwechslung im Alltag zu sorgen. Deswegen treffen wir uns einmal im Monat zu einem digitalen Spieleabend. Wir haben auch schon mit einer Tanzschule kooperiert und zwei Teamtänze gelernt.

Wenn du an die kommenden Wochen und Monate denkst, was wünschst du dir dann für deine Mannschaft?
Dass wir nochmal zusammen auf dem Platz stehen können. Ich weiß leider nicht, wie realistisch das ist. Sicherheit geht definitiv vor. Die Mädels haben sich trotz allem in den letzten Monaten wirklich toll entwickelt und auch als Team gut zusammengefunden. Deswegen wünsche ich ihnen, dass sie einfach wieder das tun können, was sie lieben.

© SGS-Bericht

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Last update: 20.02.2020 - 21:42