„Wir gestalten einen nahtlosen Übergang“ – SGS-Torwartkoordinatorin Längert im Interview

Bis 2002 spielte Kathrin Längert in der SGS-Jugend. Über Duisburg und München ging es für sie zum schwedischen Spitzenteam FC Rosengård. Die Torhüterin gewann unter anderem den UEFA Women’s Cup (den Vorläufer der heutigen Champions League) und den DFB-Pokal. Zweimal wurde sie schwedische Meisterin. Seit Juli 2020 koordiniert sie bei der SGS den Bereich Torwarttraining. Im Interview spricht die gebürtige Essenerin über neue Strukturen, den roten Faden im Training und die Akzeptanz von Frauen im Fußball.
Kathrin, nach fast zwanzig Jahren bist du zurück bei deinem Ausbildungsverein. Was hat sich aus deiner Sicht bei der SGS verändert?
Alles ist professioneller geworden. Als ich hier aktiv war, hat die erste Mannschaft noch in der Regionalliga gespielt. Außerdem haben wir damals auf einem Ascheplatz trainiert. Heute gibt es mehrere Kunstrasenplätze und deutlich bessere Strukturen im Verein. Selbst die Jugendmannschaften haben jetzt zum Beispiel ein mehrköpfiges Trainerteam und Physiotherapeuten.
Seit dieser Saison bist du Koordinatorin für den Bereich Torwarttraining. Wie bist du an diesen Posten gekommen?
Ich war letzte Saison schon als eine Art Honorartrainerin für die U17 tätig. Dabei sind mir einige Sachen aufgefallen, die ich gut fand und manche, die ich nicht so gut fand. Meine Eindrücke habe ich SGS-Jugendleiter Christian Kowalski geschildert. Er hat mich dann gefragt, ob ich fest bei der SGS einsteigen will, um mich genau um diese Dinge zu kümmern.
Im Sommer hast du in enger Zusammenarbeit mit den Trainern und Verantwortlichen den Torwartbereich neu strukturiert. Wie seid ihr vorgegangen?
Wir standen zunächst vor der Frage, wie wir die Torwarttrainer auf die Mannschaften aufteilen. Ich habe den Kontakt zu Jörg Vesper hergestellt, der nun die Torhüterinnen der ersten Mannschaft trainiert. Er war früher mein Torwarttrainer in Duisburg, daher wusste ich, dass er junge Spielerinnen entwickeln kann. Für den Jugendbereich haben wir uns dazu entschieden, dass jetzt immer ein Torwarttrainer für zwei Mannschaften zuständig ist, die vom Alter her zusammen trainieren können. So gestalten wir einen nahtlosen Übergang für diejenigen, die in den nächsthöheren Jahrgang wechseln. Zudem sind der Jugend- und Seniorinnenbereich enger verzahnt worden: U20-Torhüterin Sophia Winkler trainiert mittlerweile fest bei der ersten Mannschaft mit. Gleichzeitig sollen Torhüterinnen aus der ersten Mannschaft in der U20 Spielzeit bekommen.
Du schreibst zurzeit einen Leitfaden für das Torwartspiel, der den SGS-Trainern als zusätzliche Hilfe dienen soll. Worauf legst du beim Torwarttraining besonderen Wert?
Für mich sollte jedes Training einen roten Faden, einen Schwerpunkt haben. Das kann eine Technik sein, eine Taktik oder Athletik. Der Schwerpunkt zieht sich durch alle Trainingsteile. Er wird bereits beim Aufwärmen aufgegriffen, im Hauptteil arbeiten wir dann vertieft daran, auch individuell.
Schließlich bringt jede Torhüterin andere Voraussetzungen mit und hat andere Lernschritte zu gehen. Nehmen wir das Beispiel Fausttechnik: Hier kann es sein, dass bei einer Torhüterin die Handhaltung nicht stimmt, während es bei der anderen am Timing hakt.
Deine aktive Karriere hat dich vor ein paar Jahren nach Schweden geführt. Wie wird der Frauenfußball dort wahrgenommen?
Ganz anders als in Deutschland. Das liegt vor allem daran, dass in Schweden die Gleichberechtigung von Mann und Frau deutlich weiter fortgeschritten ist als hierzulande.
Wie macht sich das bemerkbar?
Das habe ich einfach schon im alltäglichen Miteinander gespürt. Der Fußball im Frauenbereich genießt eine viel größere Aufmerksamkeit und Anerkennung. Er ist medial präsenter, fast jedes Spiel wird live im Fernsehen gezeigt. Im Sportteil der Zeitung in Malmö wurde jede Woche über uns berichtet - aber halt auf Seite eins und zwei, nicht erst auf Seite sechs.
Fußballspielerinnen sind dort total angesehen, während es in Deutschland leider immer noch einen Teil der Bevölkerung gibt, der dem Fußball der Frauen seine Berechtigung abspricht.
Du bist jetzt knapp ein halbes Jahr für den Torwartbereich der SGS zuständig.
Wie fällt dein bisheriges Fazit aus?
Total positiv! Die Interessen von so vielen Mannschaften unter einen Hut zu kriegen ist zwar schwierig, aber mit den Ressourcen, die wir haben, wird brutal gut gearbeitet. Deswegen halte ich es nicht für Zufall, dass so viele Spielerinnen in den letzten Jahren bei uns zu A-Nationalspielerinnen gereift sind! Alle Trainer hier sind wirklich gut qualifiziert. Die Kommunikation im Verein ist ebenfalls sehr entspannt. Sowas macht schon viel aus, das kann jeder Arbeitnehmer nachvollziehen: Wenn ich gerne zur Arbeit gehe und mit den Leuten gut klarkomme, dann sind die Ergebnisse meistens besser.
© SGS-Bericht
Last update: 08.01.2021 11:16
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